Prachtvolles FamilienbildDezember 2017

Der Freiburger Künstler und Restaurator Fritz Geiges wurde 1908 beauftragt, zahlreiche Fenster im Freiburger Münster zu restaurieren. Von einigen fertige er hochwertige Kopien für seine Privatsammlung an. Darunter auch das „Stifterbildnis der männlichen Mitglieder der Familie Stürzel“ (Anfang 20. Jh.), dass sich seit 1998 als Schenkung der Erben von Fritz Geiges in der Sammlung des Deutschen Glasmalerei-Museums befindet.
Konrad Stürzel von Buchheim (1435-1509) war Hofkanzler von Kaiser Maximilian I. und Rektor der Universität in Freiburg. Seine Ämter verschafften ihm Ansehen, Einfluss und Vermögen. So konnte er 1505 beim Bau des Münsterchors die erste Kapelle an der Südseite als Grablege für seine Familie erwerben. In der nach der Stifterfamilie benannten Stürzelkapelle gibt es zwei Fensterverglasungen. Als Band angeordnet sind von links nach rechts verlaufend vier Szenen zu sehen: 1. die Anbetung der Hl. Drei Könige, 2. Konrad Stürzel vor dem Hl. Nikolaus, 3. die männlichen Mitglieder seiner Familie und 4. die weiblichen Mitglieder seiner Familie. Konrad Stürzel und seine Angehörigen werden in den Fenstern der Familiengrablege als Gläubige dargestellt, die ebenso wie die Hl. Drei Könige das neugeborene Jesuskind anbeten. Der Entwurf für die Fenster stammt von dem bedeutenden Renaissancemaler Hans Baldung Grien und wurde erst einige Jahre nach dem Tod von Konrad Stürzel angefertigt (1520). Die Original-Glasmalereien befinden sich heute im Augustinermuseum in Freiburg. Im Münster ist seit 1910 eine Kopie von Fritz Geiges zu sehen.
Auf der Linnicher Fassung sind sechs kniende Männer unterschiedlichen Alters im Profil vor einem violetten Damasthintergrund dargestellt. Sie werden mit individuellen Gesichtszügen, Frisuren und Kleidungsstücken charakterisiert und wenden sich mit gefalteten Händen in kontemplativer Stimmung der Anbetungsszene zu. Für diesen Anlass sind sie in kostbarste Stoffe gekleidet. Die drei Älteren sind in glänzender Rüstung mit Schwert sowie Röcken aus kostbarem Brokat gekleidet. Die drei Jüngeren sind mit luxuriösen Roben aus Samt und Pelz bekleidet. Die Stofflichkeit der verschiedenen Materialien der Kleidung wurde meisterlich herausgearbeitet. Der kühle Glanz der metallenen Harnische geht einher mit den schimmernden Faltenwürfen der fein gewobenen Brokatröcke. Die Rüstungen sind mit feinen ornamentalen Mustern verziert, ebenso die Schwertscheiden. Der ganz links dargestellte junge Mann trägt einen dunkelroten Samtmantel mit Pelzbesatz der sich am Boden in schwere Falten legt. Der Samt leuchtet stellenweise hell auf und unterstreicht dadurch die kontrastreiche Licht- und Schattenwirkung. Im Gegensatz dazu wirkt sein weißes Untergewand mit goldenem Kragen leicht und hat eine feine Fältelung. Sehr filigran sind die Haare des kostbaren Pelzmantels dargestellt. Man erkennt die Maserungen des Fells und die Aneinanderreihung der Fellstücke. An der unteren Kante sind in einer Reihe die Schwänze von Mardern oder Nerzen zur Zierde angenäht.
Bei der Kleidung handelt es sich um Luxusgüter, die in aufwendigen Verfahren hergestellt wurden und die gleichzeitig den hohen Stand dieser Familie dokumentieren sollten.

Verfasst von: Susanne Lang M.A.