Glas Nuggets einzeln in Metall gefasstMai 2018

1999 erhielt das Deutsche Glasmalerei-Museum den umfangreichen künstlerischen Nachlass der Aachener Glasmalerin Maria Katzgrau (1912-1998) als Schenkung durch Fritz Oidtmann. Maria Katzgrau war eine der ersten Frauen, die als selbstständige Glasmalerin in diesem männlich dominierten Metier Fuß fassen konnte. Ihre Werke befinden sich in über 160 Kirchen und öffentlichen Gebäuden im In- und Ausland. Von 1930 bis 1933 besuchte Sie die Kunstgewerbeschule in Aachen, die durch den Architekten Rudolf Schwarz geleitet wurde. Dort war sie Schülerin und Mitarbeiterin von Anton Wendling, der unter Johan Thorn Prikker gelernt hatte.
Neben der Glasmalerei schuf sie auch Arbeiten in anderen Kunstgattungen wie Malerei, Skulptur und Zeichnung. Im Deutschen Glasmalerei-Museum können die Besucher zur Zeit die Skulptur „Radiergummi“ und den dazugehörigen farbigen Entwurfskarton sehen. Diese Arbeit zählt zu den plastischen Hauptwerken von Maria Katzgrau und entstand 1970. Aus einem rechteckigen Stahlsockel ragt ein amorpher, ebenfalls aus Stahl bestehender, Rahmen hervor. Beide Elemente sind matt geschwärzt. Der Rahmen umschließt ein Relief aus Beton, das seinerseits eine schneckenartige Binnengliederung mit einer Öffnung im Zentrum besitzt. Innerhalb des Metallbogens sind mehrere „Bänder“ angebracht; die aus klaren Rohglasbrocken bestehen. Die kristallin anmutenden Glas Nuggets sind teils einzeln in Metall gefasst.
Interessant ist die Kombination der Materialien, die alle aus dem Baubereich stammen. Metall, Beton und Glas verbindet ihre Starre und Festigkeit, die jedoch während ihrer Herstellung alle flüssig sind. Maria Katzgrau experimentierte mit den verschiedenen Wirkungen von Licht auf unterschiedlichen Materialien: Während Metall sonst glänzt, ist es hier geschwärzt und mattiert. Das Glas in seiner Rohform bricht das Licht prismatisch. Der graue Beton wirkt dagegen wieder matt. Zusätzlich ist er noch porös und gesprenkelt im Erscheinungsbild. Der spiralförmige Aufbau im Inneren des Betonreliefs führt erneut zu einem Wechsel des Lichteinfalls in den Strukturen des Wirbels. Die Skulptur kann umschritten werden, so dass sich durch den veränderten Standpunkt Lichteinfall und Form der Skulptur verändern.
Fast erhält man den Eindruck vor einem monumentalen Schmuckstück eines Juweliers zu stehen, wie beispielsweise einer Brosche. Die metallenen Einfassungen der Rohglasbrocken erinnern an eingefasste Edelsteine.