Die Werkstoffe Beton und Glas zusammengefügt - Komposition in BlauJuni 2018

Einen wahren Meister der informellen Malerei kann man im Außenbereich des Glasmalereimuseums in Linnich bewundern: Pierre Soulages, geboren 1919 in Frankreich, ist mit seinen monumentalen blauen und schwarzen, mit dicken Streifen und Balken durchzogenen Bildern weltweit in den Museen vertreten. Im Gegensatz zu vielen Künstlerkollegen der nicht-gegenständlichen Malerei entstehen seine Werke jedoch nicht durch zufällig gestisch aufgetragene Farbe, sondern durch wohlüberdachte Kompositionen, die er zu einem komplexen Gebilde zusammenstellt. Seinen Stil entwickelte Soulages bereits Mitte des 20. Jahrhunderts und weckte damit das Interesse von Fritz Oidtmann, dem damaligen Inhaber der gleichnamigen Glasmalereiwerkstatt aus Linnich. Oidtmann wollte die Palette der Glasverarbeitung erweitern. Soulages´ Werke schienen ihm vorteilhaft für eine Gestaltung in Betonverglasung, bei der die Werkstoffe Beton und Glas zusammengefügt werden. Verwendet wird hierbei kein dünnes, mundgeblasenes Antikglas, sondern ein ca. 2 cm dickes Glas: Die Glasschmelze wird in spezielle Formen gegossen und ausgehärtet. Anschließend sägt man das Glas in Stücke, deren Kanten mitunter noch abgeschlagen werden, um eine höhere Lichtbrechung zu erzeugen. Nach dem veranschlagten Maßstab werden Formen/Umrandungen hergestellt, in die man die Glasstücke nun hineinlegt und die Zwischenräume mit Beton auffüllt. Zu Beginn dieser Verglasungstechnik wurden zur Stabilisierung in die Betonmasse noch Eisenstangen eingefügt, die aber mit der Zeit korrodierten und somit Risse im Beton verursachten. Auch aus diesem Grund setzte sich die Betonverglasung nicht in dem erhofften Umfang durch. Werden heute noch vereinzelt Betonverglasungen erstellt, so greift man zur Stabilisierung auf VA-Stahl zurück, um die Korrosion zu vermeiden. Nach der Aushärtung des Betons werden die Schalformen abgenommen und die Verglasung eingebaut. Die technischen Probleme der Betonverglasung verhinderten letztlich eine Ausführung des von Soulages entworfenen Werkes; lediglich die auf der Museumsterrasse stehende Musterausführung aus dem Jahr 1968 in den Maßen 1,49m x 1,25m wurde realisiert. Im Fokus der Komposition steht sicherlich das dunkelblaue Mittelfeld, das von helleren blauen und transparenten Gläsern umrahmt wird. Auffällig sind die für Soulages so typischen schwarzen Linien und Striche. Das Werk kann –und sollte- von allen Seiten betrachtet werden; je nach Lichteinfall nimmt das Auge Raumschichten und Farbveränderungen wahr, die sich einem bei einer rein statischen Betrachtung nicht erschließen.
Die neu gestaltete Außenterrasse lädt außerdem zum gemütlichen Verweilen bei einer Tasse Kaffee ein!

Verfasst von: Astrid Dohmen