Maria Katzgrau. Eine RetrospektiveGlasmalereien, Gemälde, Skulpturen, Entwurfkartons und Zeichnungen

18. Oktober 2008 - 1. März 2009

Anlässlich des 10. Todestages der Glasmalerin Maria Katzgrau (1912-1998) freuen wir uns, das Werk dieser vielseitigen Aachener Künstlerin in einer Überblicksausstellung präsentieren zu können. Gezeigt werden Glasmalereien, Entwurfskartons, Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen.

Maria Katzgrau studierte von 1930-1933 an der Kunstgewerbeschule in Aachen, die in dieser Zeit vom Architekten Rudolf Schwarz geleitet wurde. Es gab Fachabteilungen für Baukunst, Malerei, Plastik, Kunsthandwerk und Metallverarbeitung. Lehrer von Maria Katzgrau waren u.a. der Architekt Hans Schwippert, der Bildhauer Hein Minkenberg und der Glasmaler Anton Wendling.

Maria Katzgrau ist eine der ersten Frauen, die bereits in den 30er Jahren selbständig im Beruf des Glasmalers Fuß fassen und im Laufe ihres Lebens bedeutende Aufträge realisieren konnte. Aus den Auftragsbüchern drei rheinischer Glasmalereiwerkstätten konnten über 160 öffentliche Aufträge nachgewiesen werden.

Zu ihren ersten Aufträgen gehören die figürlichen und ornamentalen Kirchenfenster für die Kirche St. Barbara in Hückelhoven (1933-37). Die ornamentalen Fenster Maria Katzgraus in St. Barbara und in den beiden Kirchen St. Josef in Mönchengladbach-Schelsen (1939) und St. Matthias in Mönchengladbach-Gündorf (1949) orientieren sich in dieser frühen künstlerischen Phase noch an ihrem Lehrer Anton Wendling. Dies betrifft sowohl den Aufbau der Komposition durch ein streng geometrisches, engmaschiges Bleirutennetz als auch die Konzentration auf die Farben Rot-Blau und die Nichtfarben Weiss-Grau-Schwarz.

Ab Mitte der 50er Jahre findet Maria Katzgrau zu einer eigenen bildnerischen Sprache in der Glasmalerei. Diese ist gekennzeichnet durch eine Abkehr vom geometrisch aufgebauten Ornament und dem traditionellen Figurentypus hin zu einer von der zeitgenössischen französischen Malerei eines Chagall, Picasso und Cocteau inspirierten, figurativ assoziativen Darstellungsweise. Linien und Farbflächen werden gleichrangig nebeneinander gesetzt. Zeichnerische Elemente im Freihandstil fließen in Form von dicken Umrissen oder fein gesetzten Linien und Schraffuren in die figürlichen und ornamentalen Kompositionen ihrer Glasmalereien ein. Als Beispiel seien die Fenster in St. Joachim, Düren (1957) und die Darstellung der „Schöpfungsgeschichte“ im Franziskushospital in Köln-Ehrenfeld (1959) angeführt.

Neben der figürlichen Darstellung nimmt in den 60er Jahren die abstrakte Komposition immer mehr Raum im Werk von Maria Katzgrau ein. In diesem Kontext mögen auch die Glasmalereien Georg Meistermanns anregend auf Maria Katzgrau gewirkt haben. In ihren Arbeiten überspannen jetzt häufig unregelmäßig große Felder netzartig die Glasflächen. Spannungsreich kontrastieren kleinteilige Formen mit großen Flächen, breite Linien mit schmalen Linien, Farbflächen mit einer Tonskala von Weiß bis Schwarz. Katzgraus Arbeiten entstehen in intensiver Zwiesprache mit der Architektur. So unterstreichen ihre von vertikalen Linien bestimmten amorphen Fensterkompositionen in St. Anna, Duisburg (1963) die architektonisch aufstrebende Bewegung der von Rudolf Schwarz übereinander angeordneten Rundbogensegmente.

Ab den 70er Jahren verstärkt sich die Tendenz, in einem formal klaren, streng geometrischen Formenkanon zu arbeiten, z.B. bei St. Bonifatius in Aachen (1970-73) oder bei der Ungarnkapelle des Aachener Doms (1993). Gerade Linien unterteilen die Flächen in eine Vielzahl von unterschiedlich großen rechteckigen Formen. Häufig finden jetzt die Glasbrocken Verwendung, die als unregelmäßig behauene kleine Glasblöcke kontrastreich zu den rechtwinklig verlaufenden Bleirutenzeichnungen stehen und das Licht in vielfältiger Weise brechen und reflektieren.

Nach Aussage von Maria Katzgrau gehörten die Gesamtausstattung der beiden von Rudolf Schwarz entworfenen Kirchen, St. Anna (Duisburg) und St. Bonifatius (Aachen) sowie die Fenstergestaltung der Ungarnkapelle des Aachener Doms zu ihren wichtigsten Aufträgen. Auch auf die in Island gestalteten Fenster der Hafnarfjordkirche (1966) und Siglufjardar-Kirche (1974) und auf die Fenster der Kirche in Kulusuk (1973) in Grönland war sie besonders stolz.

Ihre Neugierde und außerordentliche Experimentierfreude regte sie zu interdisziplinärer Arbeit an, z.B. in Malerei, Skulptur und Zeichnung. Das verbindende Thema der meisten Arbeiten war die Darstellung von Raum und Licht. Katzgrau unterschied sehr wohl zwischen ihren öffentlichen Arbeiten als Glasmalerin und ihren eher privaten, freien Arbeiten im Bereich der Bildenden Kunst. Durchaus beachtenswert fallen die Ölgemälde ab Ende der 50er Jahre auf. Über Themen, die sie auch in der Glaskunst bearbeitet hat, wie z.B. die Schöpfungsgeschichte, findet sie in diesem Zeitraum zu einer abstrakten Darstellungsweise in der Malerei. Von einer spröden Faszination sind vor allem die dunkel gehaltenen, meditativ-spirituellen Bilder, die einen geistigen Raum abbilden ohne konkrete Raumgrenzen zu definieren.

Es ist nur konsequent, dass sich Maria Katzgraus Beschäftigung mit der Darstellung von Raum in der Malerei in die reale Dreidimensionalität des Reliefs und der Skulptur erweitert. In diesem Bereich arbeitet sie sowohl modellierend als auch mit den Mitteln der Collage und der Assemblage. Bei letzterer kombiniert die Künstlerin verschiedenste Materialien miteinander: Metall, Ytong, Beton, Glas, Stein, Holz. Hier offenbart sich ihre unbefangene Freude im Umgang mit den Werkstoffen.

Zahlreiche ihrer Kunstwerke und Glasmalereien versah die „Katz“, wie sie von Freunden und Bekannten liebevoll genannt wurde, mit einem äußerst passenden Symbol: Keck signierte die Katzenliebhaberin Maria Katzgrau – die lange Zeit mit einem rotgetigerten Kater namens „Fuchs“ zusammenlebte – viele ihrer Arbeiten mit einer aus der Rückenansicht dargestellten sitzenden Katze.

Nach dem Tod der Künstlerin gelangte 1999 der umfangreiche künstlerische Nachlass mit rund 1800 Entwurfszeichnungen und Kartons, sowie Gemälden und Plastiken an das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich.

Plakat der Ausstellung