Ludwig SchaffrathUniversum in Glas

19. Mai 2012 - 4. November 2012

Professor Ludwig Schaffrath (1924-2011) hat als Glasmaler, Maler, Zeichner und Mosaizist zahllose kraftvolle graphisch-abstrakte Werke in ganz unterschiedlichen Techniken hinterlassen. Besonders seine architekturbezogenen Glasfenster haben ihn international bekannt gemacht.

Ludwig Schaffrath wurde in Alsdorf-Schaufenberg geboren und ist in seiner Heimatregion verwurzelt geblieben. Zunächst arbeitete er als Elektriker im Alsdorfer Bergwerk. Nach seiner Soldatenzeit studierte er Monumentalmalerei an einer modern ausgerichteten Werkkunstschule für christliche Kunst (1942-55) bei Wilhelm Felix Schlüter in Nienborg-Heeck. Von 1947-54 war er Assistent des Glasmalers Anton Wendling an der RWTH Aachen, unterrichtete Glasmalerei, Mosaik, Zeichnen und Schrift und führte zahlreiche Arbeiten für ihn aus. So kam die enge Bindung zur zeitgenössischen Architektur zustande. Seit 1954 war er selbstständig als Gestalter tätig; zunächst an Erweiterungsbauten der Aachener Hochschule.

Die Linie spielt eine wesentliche Rolle für das Werk von Ludwig Schaffrath. Im Glasbild gliedert sie als Bleirute die Formen, die Licht und Farbe modulieren. Die farblich zurückhaltenden Kreuzgangfenster im Aachener Dom (Epitaph, 1962-65) begründen seinen Ruf als versierter Glasmaler. Es folgen zahllose Kirchenaufträge u. a. für das Ulmer Münster und den Würzburger Dom. Er führt zahlreiche Gesamtverglasungen für Kirchen aus: St. Lucia/ Würselen, St. Josef/Aachen, St. Michael/Schweinfurt und St. Marien/Bad Zwischenahn.

Die Linienführung Schaffraths resultiert aus dem Spannungsverhältnis konstruktiv gesetzter und frei fließender Formen. Diese können durch technische Strukturen (Grundrisse, Stadtpläne, Kabelstränge) oder Naturformen (Baumstümpfe, Gesteinsschichtungen) geprägt sein. Ludwig Schaffrath experimentierte mit geätztem Industrieglas und mit blickdichten Scheiben. Bereits 1958 nutzte er geklebte Reliefgläser. Seit den 1960er Jahren arbeitete er mit Dickglas und integrierte Prismengläser in seine Glasmalereien. Der Künstler wollte, dass die Glasfenster auch ohne viel Licht – von außen und in nächtlicher Beleuchtung – gestaltet wirkten.

Seit 1975 lehrte Ludwig Schaffrath in England, 1976-88 in Amerika, 1981 in Australien und schließlich 1981-84 und 1997 in Japan, wo er Glasfenster im Bahnhof von Omyja, in Nagasaki und Yokohama entwarf. In Deutschland leitete er von 1985-93 den Lehrstuhl für Glasmalerei an der Akademie für bildende Kunst in Stuttgart und konnte seine gestalterischen Erfahrungen weltweit an die nächste Generation von Glasmalern weitergeben.

Im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich, dessen Gründung Ludwig Schaffrath förderte und dessen Eingangsfenster er 1997 gestaltete, wird erstmals sein komplettes Spätwerk der autonomen Glasbilder gezeigt. Die umfangreiche Serie "Schwanengesang" ist u. a. eine Hommage an Personen, die für sein Werk und Denken vorbildhaft und einflussreich gewesen sind, wie z.B. Savonarola, Damian de Veuster oder George de la Tour, aber ebenso moderne Künstler wie Frank Lloyd Wright, Johan Thorn Prikker, Anton Wendling und Mies van der Rohe. Für die Gestaltung nimmt Schaffrath typische formale Strukturen dieser Künstler auf und verarbeitet sie einer modernen und eigenen Bildsprache.

Auf Youtube können Sie sich ein Video über die Ausstellung "Universum in Glas" und Ludwig Schaffraths Arbeit als Glasmaler anschauen. Der Beitrag wurde von Center TV erstellt.

Plakat der Ausstellung

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