Hubert Spierling - Malerei und Glasmalerei

25. September 2010 - 23. Januar 2011

Aus Anlass des 85. Geburtstages von Hubert Spierling zeigt das Deutsche Glasmalerei-Museum Linnich mit ausgewählten Glasmalereien, Gemälden und Entwurfskartons einen facettenreichen Querschnitt durch das Werk des Krefelder Künstlers. Hubert Spierling gehört seit der Nachkriegszeit zu den bestimmenden Glasmalern in Deutschland. 1925 in Menden-Bösperde/Westfalen geboren, studierte er in Hamburg, Dortmund, Düsseldorf und Krefeld. Seit 1954 ist Spierling in Krefeld als freischaffender Künstler tätig. Er arbeitete mit den bedeutendsten Kirchenbaumeistern des 20. Jahrhunderts, u.  a. mit Rudolf Schwarz, Hans Schilling, Hans Schwippert und Emil Steffann. 1977 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Menden und 1993 die Johan Thorn Prikker-Plakette der Stadt Krefeld.

Parallel immer als Maler tätig, schuf Spierling in eindringlicher, kraftvoller Formensprache aus differenzierten Farbflächen und freien Lineaturen abstrakte und figürliche Fenster. Kontrastreiche Farben bestimmen die sachlich kühne Atmosphäre der Fenster, für die meist milchig opake Gläser mit der Malerei nahe stehenden Farbverläufen Verwendung finden. Über die Farben stellt Spierling den Bezug zum jeweiligen Kirchenraum her, zu Farbumfeld und Lichtgebung. Sensibel kämpft der Künstler um die einzelnen Farbtonwerte, häufig ein Kampf gegen die plakative Wirkung von farbigem Glas.

Die präzise Farbermittlung der einzelnen Gläser und der dadurch im Raum entstehende Farbklang spielen in der Glasmalerei Spierlings eine eminent wichtige Rolle, dem oftmals langwierige Annäherungsprozesse vorausgehen. In einem Kirchenfenster erschließt sich dem Betrachter Spierlings Farbpalette sowohl in der Reduktion auf wenige Farbtöne, als auch in seiner Vorliebe für gebrochene und gedämpfte Farbtöne, die facettenreich in reizvollen Abstufungen leuchten. Dickwandige Linien, basierend auf dem Bleiriss und oftmals durch Schwarzlotzeichnung verstärkt, setzen die einzelnen Glasscheiben gegeneinander ab.

Hubert Spierling begann mit figürlichen Heiligendarstellungen, die er in ein flächig geschichtetes Gefüge setzte und von der dekorativen Rahmung befreite, wie z.B. bei St. Agnes in Hamm 1953/54. Bereits einige Jahre später werden seine Figurationen abstrakter, wie sich an der Darstellung des Cherubim als eines der vier lebenden Wesen aus der Apokalypse 1957 in St. Liebfrauen Dortmund ablesen lässt.

1959/60 realisierte Hubert Spierling für die von Heinz Döhmen entworfene erste transportable Kirche Deutschlands, St. Hubertus in Krefeld, mit einem 24 m langen umlaufenden und bis zu 2,20 m hohen, blickdichten Glasband aus weißen, grauen und blauen Scheiben eine geschlossene Raumstimmung. Das helle, gläserne Band der zeltartigen Architektur ruft beim Betrachter Assoziationen von Wasser, Nebel oder Eis ins Bewusstsein. Der Fensteraufbau wird getragen von einer Vielfalt verschiedenartiger, flächig gegeneinander gesetzter trapezoider Formen.

Diese schollenartigen Flächenverbände, die teilweise wie geologische Schichtungen anmuten, werden zum festen Bestandteil von Spierlings Formenvokabular. So auch in St. Joseph in Dortmund (1974-76), wo u. a. bruchsteinartige Gefüge, bestehend aus ungleichmäßig „behauenen Brocken“ in nuancenreichen grau-weiß Abstufungen, die Fensterfläche strukturieren. Den Glasmalereien Spierlings ist eine autonome Vitalität eigen; sie scheinen aufgrund ihrer changierenden Hell-Dunkelwerte regelrecht zu atmen.

Neben der Gesamtausstattung der Fenster in St. Hubertus und St. Joseph zählen die Fensterzyklen in St. Gertrud von Brabant in Bochum-Wattenscheidt (1945-55, 1982), Heilig-Kreuz in Menden (1960-77), St. Dionysius in Krefeld (1981-84, 1993), Klosterkirche Maria Lind in Braunsrath (1985), St. Matthias und St. Andreas in Lich-Steinstraß (1988) und St. Marien in Lünen (1988-2000) zu Spierlings umfangreichsten Arbeiten. Zu aktuellen Werken zählt die Fenstergestaltung für St. Cyriakus in Krefeld-Hüls (2009) und für St. Maria Himmelfahrt in Mülheim (2010).

Die Ausstellung im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich wurde realisiert in Zusammenarbeit mit Hubert Spierling und seiner Frau, Prof. Heinz Döhmen, dem Verein „Kunst & Krefeld e.V.“, dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum/Aachen, dem Kaiser-Wilhelm-Museum/Krefeld und den Glasmalereiwerkstätten Hein Derix/Kevelaer, Wilhelm Derix/Kaiserswerth,
Dr. Heinrich Oidtmann/Linnich und Peters/Paderborn.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Plakat der Ausstellung