Bernhard HuberArbeiten und Projekte

18. November 2006 - 11. März 2007

Die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch Bernhard Hubers Schaffensperiode der letzten Jahre.Neben einer Vielzahl von Glasmalereien werden zudem bereits realisierte architekturbezogene Projekte vorgestellt. Bernhard Huber zählt zu den Erneuerern moderner Glasmalerei. Bereits in den 1990er Jahren distanzierte er sich von der traditionellen Glasmalerei mit Farbglas und Bleirute und suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Das industriell hergestellte Floatglas wird zum neutralen Träger seiner Malerei mit Schmelzfarben, die er mit dem Pinsel, dem Siebdruck, der Spritzpistole appliziert und durch Ätzen oder Sandstrahlen ergänzt. Die spezifischen Eigenschaften des Glases, seine Härte, seine Möglichkeiten der Transparenz und Spiegelung gehen dabei mit der Malerei einen spannungsreichen Dialog ein.

Die 2006 entstandene Serie mit graphischen Strukturen visualisiert die werkimmanente Raumbezogenheit von Hubers Kunst. Die aufgetragenen linearen Strukturen machen die Grenzen des physikalischen Trägers sichtbar, gleichzeitig spiegelt das Glas den umgebenden Raum oder lenkt den Blick des Betrachters – im Falle einer durchsichtigen Fläche – durch die Trägerebene hindurch in den Hintergrund. Die Schichtung verschiedener Wahrnehmungsebenen im Kunstwerk reflektiert gleichsam unterschiedliche zeitliche Prozesse. Das Ausschnitthafte der dargestellten Strukturen ist gedanklich fortsetzbar und wirkt in den sie umgebenden Raum hinein.

Trotz seiner Abkehr von der traditionellen Glasmalerei hat Bernhard Huber in jüngster Zeit einige seiner am Computer generierten Zeichnungen bewusst in die alte Technik umgesetzt. Die Bleirute dient nunmehr als rein graphische Struktur, das mundgeblasene Echtantikglas geht in seiner spezifischen Materialität, samt seinen Schlieren und Blasen, eine reizvolle Verbindung mit der technisierten Struktur der Bilder ein.
Die Veränderlichkeit und sinnliche Wahrnehmung von Raumsituationen und Zeitabläufen, das Reflexionsvermögen und die scheinbare Materielosigkeit des Werkstoffs stehen dabei immer wieder im Kontrast zur Strenge einer hochgradigen Präzision, die sich durchgängig in den neuen Arbeiten zeigt.

Die Ausstellung dokumentiert ferner architekturintegrierte Projekte wie die Wettbewerbsarbeit für die Gesamtkonzeption einer Neuverglasung im Bamberger Dom (1.Preis) und bereits realisierte Konzeptionen wie die Rauminstallation „5 Impulse“ für die Fachhochschule Göppingen. Seine jüngste Arbeit in einem Verwaltungsgebäude in Tübingen - eine selbsttragende Deckenkonstruktion aus einem rechtwinkligen Raster farbiger Glasscheiben – erscheint als ein faszinierendes Gebilde, das wie ein lichtdurchflutetes Blätterdach wirkt. Bernhard Huber entwickelte hier in Zusammenarbeit mit einem auf Glas spezialisierten Ingenieurbüro die 25 x 25 m große Tragwerkkonstruktion, welche auch hinsichtlich der statischen Ausarbeitung innovativ ist. Hubers Arbeiten entstehen oft im engen Dialog mit Architekten und Ingenieuren. Weitere Beispiele sind die realisierte Innenraumkonzeption für den Andachtsraum im Stuttgarter Flughafen/Terminal 3, die in Kooperation mit den Architekten von Gerkan, Marg und Partner entstanden ist, sowie die Stelenanordnung von vier 10 Meter hohen Glasschwertern in der Stiftskirche in Stuttgart. In Bernhard Hubers Schaffen manifestiert sich immer wieder die Besonderheit des Ortes und bringt im jeweiligen Werk eine eigenwillige neue kontextuelle Lösung hervor.

Plakat der Ausstellung

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